Rückblick auf die ...

Milljöhsitzung 2019

Sitzungsleiter Michael Gerhold (Präsident & Literat der Nippeser Bürgerwehr von 1903 e.V., Kölner Prinz 2018 und Sitzungsleiter ab der Session 2019)(auf dem Foto rechts) begrüßte am 8. Februar 2019 wieder einmal im ausgebuchten Congress-Saal der Koelnmesse ein gut gelauntes und kostümiertes Publikum zur Milljöhsitzung der Kölner Karnevalsgesellschaft Paragraphenreiter e.V.. Für die musikalische Begleitung sorgte das Orchester Ted Borgh.

Unterstützt wurde der Sitzungsleiter von seinem Elferrat bestehend aus Rudi Fries (Literat der Kölnische KG von 1945 e.V. & Baas des Literatenstammtisch von 1961 e.V.), Michael Ströter (Literat der Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e. V.), Jens Andersen (langjähriger Literat der Kölner Narren-Zunft von 1880 e.V.), Dirk Finkernagel (Literat der KKG Fidele Zunftbrüder von 1919 e.V.), Carmen Fober (Literatin der Colombina Colonia e. V.), Stefan Kühnapfel (Literat des Reiter-Korps „Jan von Werth“ von 1925 e.V.), Roland Lautenschläger (Literat der KG Kölsche Grielächer vun 1927 e.V.), Dirk Lüssem (Literat der KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 e.V. Köln), Martin Zylka (Literat der Altstädter Köln 1922 e.V. & Geschäftsführer der GO GmbH), Petra Schmidt-Repgen (Stammbootleiterin der StattGarde Colonia Ahoj e.V.) und Christian Böhm (Literat der Große Karnevalsgesellschaft Greesberger e.V. Köln von 1852).

Die Sitzung begann mit einem fulminanten Aufzug der StattGarde Colonia Ahoj e.V.. Obwohl erst 2003 gegründet ist sie seit Herbst 2018 bereits ordentliches Mitglied im Festkomitee Kölner Karneval. Inzwischen umfasst der Verein über 200 aktive Mitglieder und ist mit über 130 Auftritten je Session auf allen kleinen und großen Bühnen im Kölner Karneval zu Hause. Die in maritimen Uniformen schmucken Mitglieder boten ein Programm in drei Abteilungen. Bordkapelle, Shanty-Chor und Tanzkorps ernteten stehende Ovationen.

Zum festen Bestandteil einer Sitzung gehört inzwischen Martin Schopps, der bereits zum vierten Mal die Bühne der Paragraphenreiter eroberte und aus seinem Lehreralltag berichtete. Zum Beispiel von einem Schüler, der wegen der Aufstiegschancen Papst werden möchte, auch wenn er dafür im Zölibat leben muss. „Ey, Alter egal, dann ziehe ich eben dahin.“ Musikalisch folgte dann ein Zukunftskrätzchen. Als Zugabe gab es auch wieder das obligatorische „Promi raten“. Außerhalb des Karnevals ist Martin Schopps mit seinem Soloprogramm „Tafeldienst“ unterwegs, bei dem er es versteht, mit viel Charme, gutem Humor und seiner Gitarre das Publikum in seinen Bann zu ziehen und mit überraschender Pointenvielfalt zu begeistern.

Sowohl Martin Schopps als auch die StattGarde Colonia Ahoj e.V. wurden zum Ende der Session 2019 vom EXPRESS als beste Künstler im Kölner Raum in den Rubriken „bester Solokünstler“ bzw. „bestes Tanzkorps“ mit dem Närrischen Oskar ausgezeichnet. Ein Paradebeispiel dafür, dass Axel Koch, Literat der KKG Paragraphenreiter e.V., für uns alljährlich nur die Spitzenkräfte verpflichtet!

Als erste Musikgruppe folgten die Bläck Fööss. Mit Ihren Gassenhauern „Drink doch ene met“, „Kaffeebud“ und „Am Bickendorfer Büdche“ war sofort Stimmung im Saal. Aber auch mit Ihren jüngeren Songs wie „Du bes die Stadt“ und der Zugabe „Rut un wiess“ konnten die Bläck Fööss begeistern. Inzwischen wurde die Verjüngung der Gruppe fortgesetzt. Zum Jahreswechsel 2016/2017 stand Kafi Biermann nach mehr als 20 erfolgreichen Jahren zum letzten Mal auf der Bühne. Für ihn folgte 2017 Mirko Bäumer (ehemals Sänger der „Queen Kings“). An Gitarre und mit Gesang ist nun Pit Hupperten für Peter Schütten mit von der Partie. Als jüngste Umbesetzung spielt nun Hanz Thodam an Stelle von Hartmut Priess den Bass.

Als nächstes Highlight folgte der Einmarsch des Kölner Dreigestirns. Das Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V. hat in dieser Session eine alte Tradition neu belebt: Erstmals seit 1955 kommt das Dreigestirn in der Session 2019 nicht aus einer, sondern aus drei unterschiedlichen Karnevalsgesellschaften. Prinz Marc I. (Marc Michelske) hat seine karnevalistische Heimat bei der KG Schlenderhaner Lumpe e.V. von 1963, Bauer Markus (Meyer) ist Präsident der Großen Allgemeinen KG von 1900 Köln e.V., während Jungfrau Catharina (Michael Everwand) die Farben der Lesegesellschaft zu Köln von 1872 vertritt. Das musikalische Potpourri des Dreigestirns wurde mit einem fulminant Saxophon spielenden Bauern abgeschlossen.

Vor der Pause heizten die Höhner dem Publikum noch einmal richtig ein. Bei dem Lied „Echte Fründe“ war der ganze Saal auf den Beinen, bevor die Feiernden bei dem neuen Hit „Wir halten die Welt an“ teilweise wieder „eingefroren“ wurden. Nach den Songs „Alles was ich will“, „E Levve lang“, „Hey Kölle du bes e Jeföhl“ und „Schenk mir Dein Herz“ hatten die Narren wieder im Nu Betriebstemperatur erreicht, bevor die Höhner sich mit „Viva Colonia“ als Zugabe von der Bühne für den Abend verabschiedeten.

Mit dem erneuten Einzug des Elferrates und dem Auftritt der Klüngelköpp wurde die zweite Hälfte der Sitzung eingeläutet. Wer sich in der Pause gestärkt hatte, konnte bei den Klängen von „Wo die Stäne sin“, „Bella Ciao“ und „Us kölschem Holz“ gleich wieder ordentlich abtanzen, bevor die sechsköpfige Truppe mit „1000 Näächte“, „Stääne“ und „Jedäuf met 4711“ nachlegte und im Saal kräftig mitgeschunkelt wurde.

Anschließend eroberten die grün-gelben Uniformen der EhrenGarde der Stadt Köln 1902 e.V. die Bühne. Die im Jahre 1900 gegründete Garde nahm zum ersten Mal im Jahr 1902 am Rosenmontagszug teil und trägt seit dieser Zeit die Jahreszahl hinter dem Namen des Korps. Dabei schummelte sich die Reitergruppe bei einer vorgetäuschten Panne im „Rubbedidupp“ in den Zug und behauptet seit dieser Zeit ihren Platz. Die EhrenGarde der Stadt Köln wird auf den karnevalistischen Bühnen von ihrem Tanzpaar Anna Sophia Beyenburg und Nico Kohr repräsentiert. Mit ihrem Potpourri, dem Chortanz, als auch dem Kadettentanz begeisterten sie das Publikum der Paragraphenreiter.

Kasalla bedeutet im Rheinischen Ärger und Krawall. Einer Überlieferung nach schauten in den fünfziger Jahren bei einer Tracht Prügel die Schüler, die bäuchlings auf einem Tisch im Klassenraum lagen, auf das Schild des Schulmöbelherstellers „Casala“. Bei der gleichnamigen Band, die mit Ihrem Kölschrock seit Mitte 2011 die Bühnen – nicht nur im Karneval – erobert, gibt es aber eher etwas auf die Ohren, als auf das Hinterteil. Bei „Alle Jläser huh“, „Kumm mer lääve“, „Künning vun Kölle“, „Piraten“, „Stadt met K“, „Mer sin eins“ und „Immer noch do“ wurde ordentlich abgefeiert.

Eine kleine Pause für das Tanzbein gab es dann bei dem Vortrag von Guido Cantz. Mit blonden Haaren und rotem Anzug kommentiert der gebürtige Porzer mit spitzer Zunge das aktuelle Zeitgeschehen aus Prominenz und Politik. So auch den Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan zur Einweihung einer Moschee in Köln-Ehrenfeld, bei der für die Absperrungen eigenes Security Personal sorgte. Ein älterer Herr, der trotzdem sein Rädchen an einem Latänepol abstellen wollte, wurde sofort angesprochen: „Sie können hier nicht Ihr Fahrrad abstellen! Hier kommt gleich türkischer Präsident Erdogan vorbei!“. Antwort: „Jung, bliev doch ruhig, ich schließ et doch aff!“ Neben seinen Auftritten ist Cantz auch als Moderator von „Verstehen Sie Spaß“ oder mit eigenem Soloprogramm in der ganzen Republik unterwegs.

Gern gesehene Gäste bei den Paragraphenreitern sind ebenfalls immer wieder „De Höppemötzjer“, die mit ihren akrobatischen Tänzen über die Bühne wirbelten.

Den musikalischen Abschluss des Programms in diesem Jahr bildeten die Räuber und alle sangen wieder mit: „Wenn et Trömmelche jeit “ oder „Home is where the Dome is“. Der Endspurt wurde dann mit „Kölsche Junge bütze joot“, „Für die Iwigkeit“, „Dat is Heimat“ und „Wunderbar“ eingeleitet.

Für alle, die nach der Veranstaltung noch ein Kölsch trinken wollten oder Tanzlust verspürten, sorgten „Die Zwei“ im Foyer mit einer bunten Mischung aus alten und neuen Karnevalshits für die richtige Musik. Auch im nächsten Jahr dürfen wir uns wieder auf eine abwechslungsreiche Sitzung freuen.

Verfasser: Thorsten Moritz

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